Vogelkunde – Ornithologiekurs im Mai 2017

Ornithologiekurs – Zusammenfassung

Mit viel Fachwissen und auch Humor stellte der Ornithologe Erich Widmer, St.Gallenkappel, 30 Interessierten die heimische Vogelwelt an zwei Abenden und einer Morgenexkursion vor. Als Tierpräparator, Jäger, Falkner und Ranger wusste er spannendes zu erzählen. Von den 400 Singvogelarten der Schweiz wurden in der Region Balgach 148 auf ihrem Durchzug oder als einheimische Brutvögel gesichtet und der Vogelwarte gemeldet. Bodenbrüter wie Feldlerche, Ammern, Distelfinken, Grasmücken sind mangels Brachflächen und frühem Mähen heute aus der Region praktisch verschwunden. Der Buchfink ist mit 1.5 Mio Paaren der häufigste Brutvogel der Schweiz.

Der Mauersegler mit seinen kurzen Beinen und langen Flügeln sitzt nur beim Brüten ab. Selbst das Nistmaterial nimmt er im Flug. Er zieht im Herbst nach Südafrika und bleibt bis zum nächsten Frühsommer bei uns in der Luft. In grossen Höhen macht er segelnd seinen Sekundenschlaf. Der Würger oder Neuntöter erbeutet selbst Mäuse und Kleinvögel. Er lockt diese mit imitiertem Ruf an und spiesst seine Beute als Vorrat an Dornenbüsche. Die Amsel war früher ein Waldvogel. Sie lebt heute überall, meist in Gärten.

Die Wachholderdrossel lebt erst seit 40 Jahren bei uns. Sie verteidigt sich rabiat mit ‚Bomben’abwurf selbst gegen Greifvögel. Der Kreuzschnabel lebt von den Samen der Tannzapfen und kann deshalb das ganze Jahr brüten. Der Star kann zB Klingeltöne nachmachen, sodass dann im Garten andauernd das ‚Telefon läutet‘. Die Meisen sind zahlreich und haben bei uns keine Probleme. Der Hausrotschwanz lebte ursprünglich in Gibraltar, kommt bei uns heute recht häufig vor. Der Gartenrotschwanz ist auf Hochstämmer angewiesen und sehr selten geworden.

Als einziger Vogel kann der Kleiber kopfabwärts den Baum runter laufen. Der Zaunkönig baut ein Kugelnest mit seitlichem Eingang und glänzt durch seinen lauten Gesang. Das Sommergoldhähnchen mit seinen 3-4 Gramm Körpergewicht ist Europas winzigster Vogel. Die Wasseramsel ist der einzige tauchende Singvogel. Sie baut riesige Moosnester. Selbst die Rabenvögel zählen zu den Singvögeln, wobei der einzelgängerische Kolkrabe mit 1 – 1.5 kg Europas grösster ist. Am häufigsten ist bei uns die Rabenkrähe. Die Nebelkrähe ist hochintelligent und stellt selbst Werkzeuge her.

Die Elster, bei uns als Totenvogel verschrieen, in anderen Weltgegenden der Glücksvogel, baut ein überdachtes Nest, ist selbst Nesträuber. Auch sie kann Sprachen und Vogelstimmen nachmachen. Der Eichelhäher gibt Alarm im Wald. Der Tannenhäher hilft mit seinen Vorratsdepots kräftig im Waldbau mit. Die Ammern erkennt man auch am kürzeren oberen Schnabel. Sie benötigen Brachflächen. Im Volksmund ist die Rohrammer mit ihrem andauernden ‚wiewiewiehabichdichliiib‘ der ‚Rohrspatz‘. Etwa 70% aller Jungvögel überleben das erste Lebensjahr nicht. Je robuster eine Art, desto weniger Junge ziehen sie auf. Bei allen Flugvögeln erneuert sich das Federkleid jährlich. Die alte Feder fällt erst ab, wenn die neue schon einen Drittel gewachsen ist.

Entgegen unserer Meinung lebt der Storch lieber in trockenen, regenarmen Gebieten, wie zB Ungarn. Seine Füsse sind nicht geeignet für Sümpfe. Sind die Nester dicht, so können Jungstörche bei Regenwetter darin sogar ertrinken oder erfrieren. Erst in neuerer Zeit wurde er bei uns angesiedelt, früher war er sehr selten zu sehen. Der Milan ist ein fauler Jäger und nimmt lieber was so rumliegt. Wenn die Krähen sich auf ihn stürzen, so wollen sie die Beute abjagen und haben oft Erfolg. Turmfalken und Schleiereulen hausen gerne in Kirchtürmen. Das Geläute macht ihnen nichts aus, denn die Frequenzen in ihrem Gehör sind verschoben.

Falken sind keine Greifvögel, sondern nach neuesten DNA-Analysen papageienartig. Sie töten auch mit dem Schnabel, die Greifvögel mit den Krallen. Deshalb wird das Gift den Tauben auf den Nacken gestrichen. Es gab in Bregenz eine Wanderfalken-Vergiftung. Die Entenarten kreuzen sich untereinander. Es entstehen viele Mischformen, die jedoch nur noch begrenzt zeugungsfähig sind. Brot an Wasservögel füttern ist auch aufgrund des Salzgehalts schlecht. Die Vogelgrippe und tote Enten am See gab es schon immer. Diesen Winter konnte man im Kanton St.Gallen keinen Vogelgrippefall bei toten Vögeln feststellen.

Der letzte Vogelgrippefall in einem Schweizer Zuchtbetrieb war 1930. In Deutschland werden oft die toten Hühner samt dem Mist auf die Felder gebracht. Dies wäre bei uns nicht möglich.
Wir von Balger Natur hoffen, dass dieser kleine Auszug aus den Infos Ihr Interesse an unserer Vogelwelt und Umwelt geweckt hat.

Infos unter: www.ornitho.ch
Margrith Hasler – Mai 2017